Neuburg am Inn. Wenn sich der Verkehr auf der A3 vor der deutsch-österreichischen Grenze staut, bekommen das die Bürgerinnen und Bürger in Neuburg am Inn und Dommelstadl unmittelbar zu spüren. Zahlreiche Fahrzeuge verlassen die Autobahn und suchen sich ihren Weg durch die Ortschaften. Für die Anwohner bedeutet das zusätzlichen Verkehr, Lärm und Abgase – und für die Gemeinde eine Situation, die sie bereits seit Jahren beschäftigt. Bürgermeister Mike Voggenreiter will sich damit nicht abfinden und hat deshalb den Passauer Bundestagsabgeordneten Hans Koller nach Neuburg eingeladen, um ihm die Situation vor Ort zu zeigen und gemeinsam nach möglichen Lösungen zu suchen.
„Die letzten 15 Jahre haben wir eine deutliche Steigerung der Verkehrsbelastung erlebt. Unsere Bürgerinnen und Bürger spüren das ganz konkret, insbesondere an den verkehrsstarken Wochenenden und zu den klassischen Reisezeiten. Mir ist wichtig, dass wir das nicht einfach als gegeben hinnehmen, sondern weiter nach Möglichkeiten suchen, die Menschen zu entlasten“, machte Voggenreiter deutlich.
Die Problematik beschäftigt Neuburg am Inn schon seit Jahren. Neben dem regulären Schwerlastverkehr führen insbesondere Staus auf der A3 und der Ausweichverkehr im Zusammenhang mit den Grenzkontrollen immer wieder zu einem deutlich höheren Verkehrsaufkommen in Neuburg und Dommelstadl. Bereits in der Vergangenheit wurden deshalb verschiedene Lösungsansätze diskutiert, darunter auch mögliche Abfahrts- und Durchfahrtsbeschränkungen, um den Ausweichverkehr durch die Ortschaften einzudämmen.
Für Koller war es deshalb wichtig, sich die Situation unmittelbar vor Ort anzusehen. „Die Grenzkontrollen sind für die Bürgerinnen und Bürger hier vor Ort mit erheblichen Belastungen verbunden. Wenn sich kilometerlange Staus auf der Autobahn bilden und sich der Verkehr anschließend durch Neuburg und Dommelstadl drängt, können wir nicht einfach sagen, dass die Menschen damit leben müssen. Wir müssen uns anschauen, welche Möglichkeiten es gibt, die Belastung so weit wie möglich zu reduzieren.“
Eine einfache Lösung gibt es dabei nicht. Die Verkehrsführung berührt unterschiedliche Zuständigkeiten von Bund, Freistaat, Polizei und Straßenbaulastträgern. Auch ein generelles Durchfahrtsverbot lässt sich nach Einschätzung Voggenreiters nicht ohne Weiteres umsetzen. Für den Bürgermeister ist das jedoch kein Grund, die Suche nach Alternativen aufzugeben: „Ein Durchfahrtsverbot durchzusetzen, wird sicherlich schwierig. Aber deshalb können wir das Thema nicht einfach abhaken. Es muss geeignete Lösungen geben, und diese wollen wir gemeinsam mit den zuständigen Stellen finden.“
Zusätzliche Dringlichkeit erhält die Problematik durch die für 2027 geplante Sanierung der Staatsstraße im Bereich von Schloss Neuburg und des dortigen Brückenbauwerks. Nach derzeitiger Planung soll die Straße dafür über einen längeren Zeitraum vollständig gesperrt werden. Die ohnehin notwendige Veränderung der Verkehrsführung möchte Voggenreiter deshalb zum Anlass nehmen, auch die grundsätzliche Verkehrsproblematik neu zu betrachten.
„Wenn wir uns aufgrund der anstehenden Sperrung ohnehin mit der Verkehrsführung beschäftigen müssen, sollten wir diese Gelegenheit nutzen und weiterdenken. Entscheidend ist für mich, dass wir nicht nur für die Zeit der Baustelle Lösungen finden, sondern uns auch fragen, wie wir Neuburg und Dommelstadl langfristig vom Durchgangs- und Ausweichverkehr entlasten können“, erklärte Voggenreiter.
Dass die Verkehrsproblematik die Gemeinde schon lange beschäftigt, zeigt auch die seit Jahrzehnten geführte Diskussion über eine Ortsumfahrung für Neuburg und Dommelstadl. Bereits Anfang 2025 berichtete die Passauer Neue Presse, dass die Debatte zu diesem Zeitpunkt seit 46 Jahren geführt wurde und die Umfahrung weiterhin im Ausbauplan vorgesehen war. Eine Umsetzung war bis dahin allerdings nicht erfolgt.
Für Voggenreiter ist deshalb entscheidend, kurzfristige und langfristige Möglichkeiten gleichermaßen zu verfolgen: „Natürlich wissen wir, dass eine große Verkehrslösung nicht von heute auf morgen kommt. Aber unsere Aufgabe als Gemeinde ist es, bei dem Thema dranzubleiben, immer wieder nachzuhaken und jede realistische Möglichkeit zur Verbesserung zu prüfen. Genau das werde ich auch weiterhin tun.“
Koller sagte dem Bürgermeister dabei seine Unterstützung zu. „Mike Voggenreiter hat völlig zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass wir die Auswirkungen der Grenzkontrollen nicht losgelöst von den Gemeinden betrachten dürfen, durch die der Ausweichverkehr am Ende rollt. Von mir erhält er dabei volle Unterstützung.“
Für beide steht deshalb fest, dass der Vor-Ort-Termin nicht das Ende des Austauschs sein soll. Voggenreiter will die anstehenden Veränderungen der Verkehrsführung nutzen, um gemeinsam mit den zuständigen Stellen erneut über konkrete Entlastungsmöglichkeiten zu sprechen. „Die Menschen in Neuburg und Dommelstadl erwarten zu Recht, dass wir bei diesem Thema nicht lockerlassen. Es wird keine einfache Patentlösung geben. Aber ich werde weiter dafür kämpfen, dass wir Schritt für Schritt zu einer spürbaren Entlastung kommen.“
Foto: Drin Rexhaj, (v.l.) MdB Hans Koller im Gespräch mit Bürgermeister Mike Voggenreiter