Stadt Passau. Im vergangenen Jahr hat das Sanitätsaus Mais mit seinen mittlerweile sechs Standorten in Passau, Pocking, Vilshofen, Osterhofen, Waldkirchen und Freyung sein 65-jähriges Bestehen gefeiert.
Im Zuge der kürzlich durch den Bund verabschiedeten GKV-Reform hat Stefan Mais, Geschäftsführer des Sanitätshauses Mais mit Hauptsitz in Passau, um ein Branchengespräch mit den CSU-Abgeordneten Stefan Meyer, in dessen Funktion als Mitglied im Landesgesundheitsausschuss sowie wie MdB Hans Koller gebeten. „Heilmittelerbringer fordern faire Rahmenbedingungen, echten Bürokratieabbau und klare Umsetzungsregeln für die GKV-Reform“, bringt es Mais gleich eingangs auf den Punkt.
Seit seiner Gründung im Jahr 1959 versorgt das Unternehmen Menschen in der Region mit orthopädischen Hilfsmitteln, Sanitätsbedarf und individuell angepassten Medizinprodukten – mit zwischenzeitlich 150 Mitarbeitenden. „Für uns stellt sich die Frage, wie wir als Branche weiter bestehen können, wenn sich die Rahmenbedingungen derart zuspitzen? Letztlich geht es auch darum, wie die ambulante Versorgung sichergestellt werden kann“, fragt Stefan Mais kritisch nach. Wohlwissend um den Umstand einer stets alternden Gesellschaft, ständig steigender Kosten und einer GKV-Reform, die aus Sicht der Heilmittelerbring neue Belastungen ohne klare Umsetzungswege schaffe. „Der Bedarf an Versorgungsleistungen steigt. Heilmittelerbringen nehmen eine wichtige Position in der Versorgungsstruktur ein, gleichzeitig kämpft die gesetzliche Krankenversicherung mit einem strukturellen Finanzierungsproblem“, weiß MdB Hans Koller.
„Grundsätzlich ist die Reform richtig und wichtig. Gerade in herausfordernden Zeiten gilt es, bestehende Strukturen zu überprüfen und die vorhandenen Mittel verantwortungsvoll und zielgerichtet einzusetzen. Dabei ist für mich entscheidend, mit Augenmaß vorzugehen und dort anzusetzen, wo Veränderungen sinnvoll und vertretbar sind“, so MdL Stefan Meyer. Im Austausch zu den Anliegen der Branche können die Abgeordneten deren Bedenken hinsichtlich der GKV-Reform durchaus nachvollziehen. „Uns ist klar, dass Einsparungen notwendig sind, aber einmal mit dem Rasenmäher über alle Gewerke drüber macht aus unserer Sicht wenig Sinn, vor allem, wenn keine weiteren Vorschläge zur Umsetzung vorliegen“, so Mais. Weiter führt Inhaberin Ingeborg Mais potentielle Einsparungsmöglichkeiten vor Augen: „Es existieren mehr als 90 gesetzliche Krankenkassen, jede mit eigener Verwaltung, eigenem Vertragswesen und eigenen Prozessen. Das bringt Unmengen von bürokratischen Abläufen mit sich – hier liegt erhebliches, bislang ungenutztes Einsparpotenzial“, ist Mais überzeugt.
Für Sanitätshäuser wie Mais bringe die Kassenvielfalt einen enormen administrativen Aufwand mit sich. „Die unzähligen Regelungen, Anforderungen und Abrechnungsmodalitäten kosten uns Zeit, Personal und Geld – Ressourcen, die in die Versorgung der Patientinnen und Patienten fließen sollten“, so Stefan Mais.
„Der 3-Prozent-Abschlag ist nicht Ende gedacht“
Besonders kritisch bewertet der Sanitätshaus-Geschäftsführer den im Rahmen der GKV-Reform geplanten pauschalen Abschlag von drei Prozent auf Vertragspreise im Hilfsmittelbereich. „Diese Regelung ist für uns in mehrfacher Hinsicht problematisch: Allen voran fehlen aber verbindliche Richtlinien zur Umsetzung“, so Stefan Mais. Noch sei völlig unklar, wie diese Regelung in der Praxis umgesetzt werden soll. „Weiter berücksichtigt der Abschlag die spezifische Kostenstruktur von Sanitätshäusern nicht: Medizinprodukte werden individuell angepasst, teils in handwerklicher Arbeit gefertigt, gewartet und repariert – kein industrieller Massenversand, sondern spezialisierte Arbeit mit gesetzlichen Betreiberpflichten. Dieser Abschlag trifft eine Branche, die ohnehin unter strukturell zu niedrigen Vergütungssteigerungen leidet – und ist schlicht nicht zu Ende gedacht.“
Gestiegene Energiekosten und höhere Kraftstoffpreise machen den Heilmittelerbringer weiter zu schaffen. „Wir arbeiten mit Verträgen, die über Jahre festgesetzt sind. Die wirtschaftliche Luft wird immer dünner und letztlich geht es um die Versorgungsqualität der Menschen in der Region“, betont Stefan Mais. Was auf den ersten Blick wie ein rein betriebswirtschaftliches Problem wirkt, habe unmittelbare Konsequenzen für die Patientenversorgung. „Wenn Verträge wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sind, werden Leistungserbringer sie kündigen – oder erst gar nicht eingehen“, ist Mais überzeugt. Im Namen der Branche spricht er sich deutlich für ein einheitliches Vertragswesen, klare Umsetzungsregeln für die GKV-Reform, sowie faire und realitätsnahe Vergütungsanpassungen aus.
Foto (Stefanie Starke): (v. l.) MdL Stefan Meyer, Senior-Inhaberin Ingeborg Mais, Geschäftsführer Stefan Mais und MdB Hans Koller im Austausch zu den Herausforderungen für die Branche der Heilmittelerbringer.