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Hans Koller

Zukunftsorientiert, bürgernah, verläßlich

Der Führerschein muss günstiger werden – aber nicht auf Kosten der Qualität

Passau. Rund 3.400 Euro kostet ein Pkw-Führerschein in Deutschland inzwischen durchschnittlich. Für viele junge Menschen ist der Führerschein damit längst zu einer erheblichen finanziellen Belastung geworden. Nun möchte die Bundesregierung handeln: Die Ausbildung soll kostengünstiger, moderner und unbürokratischer werden, ohne dabei Abstriche bei der Verkehrssicherheit zu machen. Doch wie kommen die geplanten Änderungen bei denjenigen an, die tagtäglich Fahrschülerinnen und Fahrschüler ausbilden? Genau darüber sprach der Bundestagsabgeordnete Hans Koller mit mehreren Fahrschulinhabern aus der Region im Rahmen eines ausführlichen Fachgesprächs in seinem Passauer Wahlkreisbüro.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen die geplanten Reformen der Fahrschulausbildung. Ziel ist es unter anderem, die theoretische Ausbildung stärker zu digitalisieren, Sonderfahrten flexibler zu gestalten, Bürokratie abzubauen und den Führerschein insgesamt bezahlbarer zu machen. Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit in den parlamentarischen Beratungen und wurde nach dem Kabinettsbeschluss an Bundestag und Bundesrat überwiesen.

In der Gesprächsrunde machten die Fahrschulinhaber deutlich, dass sie einer Modernisierung der Fahrausbildung grundsätzlich offen gegenüberstehen. „Wir unterstützen jede Weiterentwicklung, die nachweislich zur Verkehrssicherheit, zur pädagogischen Qualität und zu einer besseren Ausbildung beiträgt“, betonte einer der Teilnehmer. Gleichzeitig bestehe jedoch die Sorge, dass einzelne Reformvorschläge an der Realität der Fahrausbildung vorbeigingen. „Einzelne Ausgestaltungen und Detailfragen sind aus unserer Sicht durchaus diskutabel und anpassbar – solange die Qualitätsstandards gewahrt bleiben. Genau das sehen wir bei den derzeitigen Vorhaben kritisch“, fasste die Runde ihre Position zusammen.

Ein zentrales Thema war die geplante Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten. Nach Auffassung der Fahrschulen hätten gerade diese Ausbildungsfahrten in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, Unfallrisiken bei Fahranfängern zu reduzieren. „Die Sonderfahrten sind kein Selbstzweck. Sie vermitteln Erfahrungen, die junge Fahrer später im Straßenverkehr brauchen. Hier sollte man nicht vorschnell kürzen“, gaben die Fahrschulinhaber zu bedenken. Gleichzeitig zeigte sich die Runde offen für flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der bestehenden Ausbildungsziele, sofern dadurch regionale Besonderheiten besser berücksichtigt werden könnten. Entscheidend sei aus Sicht der Praktiker, dass die Qualität der Ausbildung nicht unter einer stärkeren Flexibilisierung leiden dürfe.

Ausführlich diskutiert wurde auch die stärkere Digitalisierung der theoretischen Ausbildung. Die Bundesregierung möchte den Fahrschulen künftig mehr Freiheit geben und neben Präsenzunterricht auch reine Online-Angebote ermöglichen. Die Fahrschulinhaber sahen hierin zwar Chancen für mehr Flexibilität, warnten jedoch davor, den pädagogischen Austausch vollständig zu ersetzen. „Theorie ist weit mehr als das Auswendiglernen von Prüfungsfragen. Gerade der persönliche Unterricht hilft dabei, Verkehrsverständnis zu entwickeln und Situationen richtig einzuordnen“, schilderte die Runde. Reines digitales Lernen könne aus ihrer Sicht dazu führen, dass theoretische Defizite später in den praktischen Fahrstunden aufgearbeitet werden müssten – mit der Folge, dass die Zahl der Fahrstunden eher steige als sinke. „Wir befürworten durchaus weniger Prüfungsfragen. Aber der Unterricht lebt vom gemeinsamen Austausch und von Pädagogik, das lässt sich nicht vollständig durch einen reinen Online-Unterricht ersetzen.“

Auch der Vorschlag, künftig Übungsfahrten mit Angehörigen modellhaft zu ermöglichen, wurde äußerst kritisch bewertet. „Für uns ist das eine klare Abkehr von dem, was eine professionelle Fahrausbildung ausmacht“, brachte ein Fahrschulinhaber die Sorge der Runde auf den Punkt. Die Verantwortung für Leben, Gesundheit und Eigentum erfordere eine professionell begleitete Fahrausbildung. Ebenso kritisch wurden die geplante Verkürzung der Fahrprüfung sowie zusätzliche Transparenzpflichten bei Preisen und Bestehensquoten gesehen. Insbesondere die verpflichtende regelmäßige Meldung von Preisdaten würde aus Sicht der Fahrschulen vor allem zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursachen, ohne den Fahrschülerinnen und Fahrschülern einen erkennbaren Mehrwert zu bieten. „Ständig wird über Bürokratieabbau gesprochen und dann wird uns ein solcher Verwaltungsberg zugemutet“, kritisierte die Runde. „Die Fahrausbildung ist kein Kostenproblem, sondern eine Frage der Struktur und Zielgenauigkeit. Genau daran würden wir gerne gemeinsam arbeiten.“

Einigkeit bestand hingegen beim Thema Fahrsimulatoren. Diese könnten den Einstieg in die praktische Ausbildung erleichtern, Nervosität abbauen und insbesondere Fahrschülerinnen und Fahrschülern mit Sprachbarrieren oder wenig Vorerfahrung helfen. Einen vollständigen Ersatz für Fahrstunden im realen Straßenverkehr könnten Simulatoren jedoch nicht leisten. „Sie haben ihre Berechtigung, aber sie ersetzen nicht die Erfahrung im echten Straßenverkehr“, lautete die gemeinsame Einschätzung. „Gerade jungen Fahrschülern nehmen Simulatoren oft die erste Unsicherheit. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung, aber eben kein Ersatz.“

MdB Hans Koller zeigte Verständnis für die vorgetragenen Anregungen und betonte zugleich, dass das Ziel der Reform richtig sei. „Mir war wichtig, heute nicht nur über die Reform zu sprechen, sondern vor allem zuzuhören. Genau dafür sind solche Gespräche da.“ Natürlich müsse auch die Fahrausbildung regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, den Führerschein bezahlbarer zu machen, ohne dabei die hohe Qualität der Ausbildung aufs Spiel zu setzen. Die Praxis weiß am Ende am besten, welche Maßnahmen funktionieren und welche nicht. Diese Erfahrungen müssen wir in Berlin ernst nehmen.“

Mit Blick auf die laufenden Beratungen stellte der Bundestagsabgeordnete klar: „Es macht keinen Sinn, mit dem Rasenmäher über die gesamte Führerscheinausbildung zu fahren in der Hoffnung, dass der Fahrschüler am Ende profitiert. Eine Reform braucht Maß und Mitte. Sie darf Fahrschulen nicht wirtschaftlich benachteiligen und muss gleichzeitig den Fahrschülern tatsächlich zugutekommen.“

Zum Abschluss zog MdB Koller ein positives Fazit des Austauschs: „Der heutige Austausch hat gezeigt, dass die Fahrschulen einer Reform keineswegs ablehnend gegenüberstehen. Ganz im Gegenteil, Sie bringen viele konstruktive Vorschläge ein. Genau diese Hinweise müssen wir in den weiteren Beratungen ernst nehmen. Am Ende brauchen wir eine Reform, die den Führerschein bezahlbarer macht, ohne die Ausbildungsqualität und die Verkehrssicherheit zu gefährden.“

Einig waren sich alle Beteiligten schließlich auch darin, dass Reformen gerade dort am besten gelingen, wo Politik und Praxis frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen. Denn hinter jeder Gesetzesänderung stehen am Ende Menschen, die sie täglich umsetzen müssen und junge Fahrerinnen und Fahrer, die sicher und gut vorbereitet am Straßenverkehr teilnehmen sollen.