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Hans Koller

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„Ohne heimische Rohstoffe können wir unsere Infrastruktur nicht modernisieren“

Ortenburg. Straßen, Brücken, Bahnstrecken oder Wohnhäuser – ohne Kies, Sand und Naturstein lässt sich kaum eines dieser Projekte verwirklichen. Woher die dafür notwendigen Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden, konnte sich der Bundestagsabgeordnete Hans Koller gemeinsam mit Ortenburgs Bürgermeister Stefan Lang bei einem Besuch der Niederbayerischen Schotterwerke aus nächster Nähe ansehen. Gemeinsam mit Vertretern des Unternehmens und der Rohstoffindustrie ging es um die Frage, wie heimische Rohstoffgewinnung auch künftig möglich bleiben kann.

Die Niederbayerischen Schotterwerke blicken dabei auf eine lange Geschichte zurück. Bereits seit 1882 werden am Standort die vorhandenen Granitvorkommen gewonnen und verarbeitet. Heute entstehen daraus unter anderem Gleisschotter, Brechsand und Splitte für Asphalt und Beton, Wasserbausteine sowie Frostschutz- und Schottertragschichten. Rund 700.000 Tonnen werden jährlich produziert – damit ist der Betrieb seit vielen Jahren eng mit dem Wirtschaftsstandort Ortenburg verbunden.

Wie aus dem massiven Granit schließlich ein einsatzfähiger Baustoff wird, stellte Geschäftsführer Harald Huemer der seit 30 Jahren in der Branche tätig ist vor. Nach der Freilegung wird das Gestein zunächst durch Bohrungen und Sprengungen aus dem Fels gelöst. Von dort führt der Weg über mehrere Brech- und Aufbereitungsstufen, in denen das Material zerkleinert, klassiert und schließlich für seine unterschiedlichen Einsatzbereiche vorbereitet wird. Betriebsleiter Alois Orthuber erläutert dabei die einzelnen Produktionsschritte und die Besonderheiten des Standorts.

„Wenn wir über neue Straßen, Brücken, Bahnstrecken oder den Wohnungsbau sprechen, müssen wir auch darüber sprechen, wo die dafür notwendigen Rohstoffe herkommen. Ohne heimische Rohstoffe können wir unsere Infrastruktur nicht bauen und modernisieren“, betonte MdB Koller während des Besuchs.

Dass diese Rohstoffe möglichst regional gewonnen werden, sei dabei nicht nur eine wirtschaftliche Frage. Gesteinskörnungen sind schwere Massengüter und werden deshalb möglichst nah an den Abnehmern produziert. Deutschlandweit arbeiten rund 22.500 Menschen in der Gesteinsindustrie, die überwiegend aus kleinen und mittelständischen Familienunternehmen besteht. Rund 2.000 Kiesgruben und 760 aktive Steinbrüche verteilen sich dezentral über das gesamte Bundesgebiet.

Auch Huemer machte deutlich, welche Bedeutung die Nutzung heimischer Vorkommen für das Unternehmen hat: „Wir leben von dem, was aus der Erde kommt. Deshalb müssen wir auch die Möglichkeit haben, unsere heimischen Rohstoffe zu nutzen – natürlich immer im Einklang mit der Region und mit der notwendigen Akzeptanz vor Ort.“

Gerade dieser Austausch mit den Menschen vor Ort ist für Bürgermeister Stefan Lang entscheidend. „Unser Ziel ist es, die Bürger kommunikativ mitzunehmen und dadurch Akzeptanz zu schaffen. Das ist die Kunst als Gemeinde. Die Schotterwerke genauso wie die anderen Kieswerke können dabei auf unsere Unterstützung zählen, wenn die Bürgerinnen und Bürger entsprechend eingebunden werden.“

Für Bürgermeister Lang gehört die heimische Rohstoffgewinnung zugleich zu einem funktionierenden Wirtschaftsstandort. „Wir wissen als Gemeinde, welche Bedeutung solche Betriebe für unsere Region haben. Gleichzeitig müssen wir die Interessen der Unternehmen und der Bürger zusammenbringen. Das funktioniert am besten, wenn frühzeitig miteinander gesprochen wird und Entscheidungen nachvollziehbar bleiben.“

Im anschließenden Gespräch mit Susanne Funk, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Mineralische Rohstoffe, rückten die Rahmenbedingungen für die Branche in den Mittelpunkt. Gerade die Dauer von Genehmigungsverfahren bereitet den Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten. Weil Rohstoffvorkommen naturgemäß an ihren Standort gebunden sind, können Betriebe nicht beliebig auf andere Flächen ausweichen. Gleichzeitig sind regelmäßig Anschlussgenehmigungen notwendig, deren Verfahren nach Angaben des Verbandes teilweise acht bis zwölf Jahre dauern.

„Acht oder zwölf Jahre auf eine Genehmigung zu warten, ist schlicht zu lang. Wenn wir schneller bauen und unsere Infrastruktur modernisieren wollen, müssen wir auch dafür sorgen, dass die dafür benötigten heimischen Rohstoffe verfügbar sind. Beschleunigung darf nicht erst auf der Baustelle anfangen, sondern muss bereits bei den Genehmigungen beginnen“, so MdB Koller.

Dabei wurde auch über die zunehmenden Flächen- und Nutzungskonflikte gesprochen. Erneuerbare Energien, Verkehrswege, Telekommunikationsnetze, Natur- und Wasserschutz sowie die Rohstoffgewinnung konkurrieren teilweise um dieselben Flächen. Aus Sicht der Branche müsse deshalb stärker berücksichtigt werden, dass Lagerstätten nicht verlagert werden können und eine sichere Versorgung mit heimischen Gesteinsrohstoffen Voraussetzung für zahlreiche Bau- und Infrastrukturprojekte ist.

Für Koller müsse deshalb ein vernünftiger Ausgleich gefunden werden: „Naturschutz, wirtschaftliche Entwicklung und heimische Rohstoffgewinnung dürfen nicht ständig gegeneinander ausgespielt werden. Wir brauchen Lösungen, die beides ermöglichen. Wenn wir immer neue Anforderungen schaffen und Verfahren dadurch noch länger werden, haben wir am Ende niemandem geholfen.“

Dass Rohstoffgewinnung und Naturschutz nicht zwangsläufig Gegensätze sind, wurde ebenfalls thematisiert. In Gewinnungsstätten entstehen während des laufenden Betriebs immer wieder neue Lebensräume, in denen sich insbesondere Pionierarten ansiedeln können. Gleichzeitig gewinnt auch die Kreislaufwirtschaft an Bedeutung: In Gesteinsbetrieben werden neben Primärrohstoffen unter anderem Bauschutt und Bodenmaterial aufbereitet und weiterverwertet.

Mit Blick auf die geplanten Milliardeninvestitionen in Deutschlands Infrastruktur sieht Koller die Branche schließlich als wichtigen Partner. „Wir wollen in den kommenden Jahren massiv in Straßen, Schienen, Brücken und weitere Infrastruktur investieren. Dafür brauchen wir nicht nur Geld und Planungen, sondern ganz konkret auch die Baustoffe. Deshalb müssen wir heute dafür sorgen, dass unsere heimischen Betriebe auch morgen noch produzieren können.“