Der Landkreis Passau ist bekannt für seine bedeutenden Granitvorkommen. Neben den Steinbrüchen in Hauzenberg sind insbesondere die Vorkommen rund um die Gemeinden Fürstenstein und Tittling von überregionaler Bedeutung. Umso befremdlicher wirkt es auf Außenstehende, wenn bei regionalen Bauprojekten oder Sanierungsmaßnahmen importierter Granit aus dem Ausland Verwendung findet, anstatt auf den direkt vor Ort abgebauten Rohstoff zu setzen.
Um über das Vergaberecht, aktuelle Ausschreibungsverfahren und die Herausforderungen der Natursteinbranche zu sprechen, besuchten die Passauer Bundestagsabgeordneten Johannes Schätzl (SPD) und Hans Koller (CSU) kürzlich die Kusser Granitwerke in Aicha vorm Wald. Das Traditionsunternehmen betreibt mehrere Brüche im nördlichen Landkreis Passau, in denen sechs verschiedene Granitsorten gewonnen werden. Zudem unterhält die Firma ein Vertriebsbüro im US-amerikanischen Tampa, Florida.
„Durch den minimalinvasiven Eingriff in die Natur ist unser Naturstein extrem nachhaltig und weist im Vergleich zu Baustoffen wie Beton mit Abstand den besten CO2-Fußabdruck auf“, betonte Geschäftsführer Georg Kusser. Das Unternehmen sei zudem breit aufgestellt und biete sowohl Massenprodukte wie Bahnschotter als auch hochspezialisierte Nischenprodukte im Werksteinbereich an.
Als wesentlichen Grund dafür, dass deutsche Granitunternehmen bei Ausschreibungen oft nicht das wirtschaftlichste Angebot abgeben können, nannte Kusser die hohen Abbaukosten in Deutschland. Die strengen nationalen Auflagen führen zu einem unmittelbaren Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Mitbewerbern wie etwa Firmen aus Portugal, die unter deutlich geringeren Standards produzieren.
Die Abgeordneten Schätzl und Koller zeigten sich besorgt über diese Entwicklung, die sowohl der regionalen Wertschöpfung als auch dem Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft widerspreche. „Wir leisten uns vor Ort sehr hohe Auflagen, importieren aber im selben Atemzug günstigere Materialien mit enormem CO2-Ausstoß über lange Lieferwege, während das qualitativ hochwertige Material direkt in der Heimat liegt“, kritisierte Johannes Schätzl.
Nach aktuellem Vergaberecht muss stets das wirtschaftlichste Angebot den Zuschlag erhalten. In einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung wäre dies zwar meist der lokale Betrieb, für Planer mit fixem Budget spielt dieser Kontext am Ende jedoch oft eine untergeordnete Rolle.
Die beiden Politiker regten daher an, dass zumindest staatlich geförderte Baumaßnahmen stärker an die regionale Herkunft der Materialien geknüpft sein oder lokale Rohstoffe bevorzugt werden sollten. Mit diesem Vorschlag wollen sich Koller und Schätzl an die Bauministerien in Bund und Ländern wenden, um eine entsprechende Anpassung der Förderrichtlinien prüfen zu lassen.