Passau. Seit 45 Jahren versorgt das Sanitätshaus Fürst in Passau Patientinnen und Patienten mit medizinischen Hilfsmitteln. Von Orthopädischen Einlagen und Bandagen über Kompressionsstrümpfe bis hin zu moderner Reha-Technik und Beatmungsversorgung. Was über Jahrzehnte verlässlich funktionierte, steht nun vor neuen regulatorischen Hürden. Für Tätigkeiten, die bislang Teil der regionalen Versorgung waren, wird inzwischen eine arzneimittelrechtliche Großhandelserlaubnis verlangt. Die Kosten hierfür, um die 20,000€.
Für MdB Hans Koller ist dies ein Beispiel für überbordende Regulierung: „Wenn ein mittelständischer Familienbetrieb nach Jahrzehnten bewährter Versorgung plötzlich Anforderungen erfüllen muss wie ein internationaler Arzneimittelgroßhändel, dann ist das Maß überschritten. Bürokratie darf nicht zum Risiko für Patientinnen und Patienten werden.“
Beim Vor-Ort-Termin in Passau informierte sich MdB Koller über die aktuellen Herausforderungen des Sanitätshauses Fürst, einem traditionsreichen Familienunternehmen mit Standorten in Passau und Grafenau. Geführt wird der Betrieb von Hans-Peter-Fürst gemeinsam mit seinen Söhnen Stefan und Markus Fürst.
„Was hier täglich geleistet wird, ist hochqualifizierte Gesundheitsversorgung – individuell, wohnortnah und mit großer Verantwortung. Diese Arbeit darf nicht durch überbordende Bürokratie gefährdet werden“, betonte MdB Koller.
Steigende Anforderung – wachsende Belastung
Das Sanitätshaus Fürst deckt ein breites Versorgungsspektrum ab: Orthopädietechnik, Sanitätsfachhandel, Kompressionstherapie, Reha- und Mobilitätshilfen sowie die Versorgung mit medizinischen Gasen für Heimbeatmung. Gerade diese Vielseitigkeit führt jedoch zu einer Vielzahl regulatorischer Anforderungen.
Für bestimmte Tätigkeiten im Bereich medizinischer Gase können inzwischen zusätzliche arzneimittelrechtliche Erlaubnisse erforderlich sein.
„Wir versorgen seit Jahrzehnten zuverlässig Beatmungspatienten in der Region. Wenn dafür plötzlich neue, kostenintensive Genehmigungen verlangt werden, stellt das insbesondere mittelständische Betriebe vor enorme Herausforderungen“, erklärte Hans-Peter Fürst
Hinzu kommen regelmäßige Präqualifizierungen und Zertifizierungen. Außerdem sind fortlaufende Schulungen des Fachpersonals, detaillierte Dokumentationspflichten sowie unterschiedliche Genehmigungsverfahren je nach Krankenkasse zu erfüllen.
Stefan Fürst machte deutlich: „Qualität und Fachkompetenz sind unser Anspruch. Doch der administrative Aufwand wächst stetig. Das kostet Zeit und Energie, darunter leidet die eigentliche Versorgung.“
Vertragswirrwarr und wirtschaftlicher Druck
Ein weiteres Problem stellt die Vielzahl unterschiedlicher Versorgungsverträge mit gesetzlichen Krankenkassen dar. Unterschiedliche Vorgaben, Abrechnungsmodalitäten und Prüfverfahren führen zu erheblichem Verwaltungsaufwand.
Markus Fürst beschreibt die Situation so: „Wir möchten uns auf Beratung, Anpassung und handwerkliche Qualität konzentrieren. Stattdessen sehen wir uns mit einem Vertrags- und Verwaltungswirrwarr konfrontiert, das Ressourcen bindet und wirtschaftlichen Druck erzeugt.“ Gleichzeitig seien vielen Vergütungssätze nur geringfügig angepasst worden, während Energie-, Material- und Personalkosten kontinuierlich steigen. Gerade bei personalintensiven Versorgungen entstehe dadurch ein zunehmendes Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag.
„Wenn Kosten steigen, Anforderungen wachsen und Vergütungen stagnieren, entstehen reale Existenzängste – auch in traditionsreichen Familienbetrieben“, so Hans-Peter Fürst.
Klare politische Forderung
Für MdB Hans Koller steht fest, dass die Sicherung der Hilfsmittelversorgung politische Priorität haben muss.
„Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in qualifizierte Leistungserbringer. Einheitliche und transparente Vertragsstrukturen und auskömmliche Vergütungen sind entscheidend, damit Betriebe wie das Sanitätshaus Fürst auch künftig für die Menschen da sein können.“
MdB Hans Koller kündigt an, sich auf Bundesebene für eine spürbare Entlastung der mittelständischen Hilfsmittelbetriebe einzusetzen. Ziel müsse es sein, die Balance zwischen Qualitätssicherung und praktikablen Rahmenbedingungen wiederherzustellen.
Foto: Matthias Bredemeier (v.l.) Markus Fürst, Hans-Peter Fürst, Stefan Fürst